Tagung Einfach oder komplex? Befunde zur Passung geschriebener Sprache für verschiedene Zielgruppen
21. & 22. März 2024
Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie
Universität Heidelberg
Sprachliche Einfachheit und Komplexität sind aktuelle Themen sprachwissenschaftlicher und sprachdidaktischer Forschung mit hohem Anwendungspotenzial.
Im schulischen Bereich sollen u. a. im Rahmen des sprachsensiblen Fachunterrichts bildungs- und fachsprachliche Texte sprachlich optimiert und die Schüler:innen schrittweise an den kompetenten Umgang mit diesen Texten herangeführt werden. Auch in außerschulischen Bildungskontexten trägt die sprachliche Passung der genutzten Texte zu den Gelingensbedingungen bei. Zu nennen sind hier u. a. der Zweit- und Fremdspracherwerb, die Alphabetisierung und Grundbildung sowie die berufliche und die politische Bildung. Weiterhin begegnen uns in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens Texte in Leichter, Einfacher und vereinfachter Sprache.
Durch den Abbau sprachlicher Komplexität sollen die Inhalte von Texten möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden, und die Inklusion bestimmter Gruppen soll gefördert werden. Dennoch werden gering Literalisierte in verschiedenen Kontexten noch häufig mit potenziell schwierigen Texten konfrontiert.
Dies hängt u. a. damit zusammen, dass die jeweils mit sprachlichen Komplexitätsmerkmalen assoziierten Lese- und Verstehensschwierigkeiten sowie die vermeintlichen sprachlichen Vereinfachungen noch nicht (ausreichend) empirisch abgesichert sind. Verschiedene Befunde deuten darauf hin, dass hier weiter differenziert werden muss, z. B. nach den Funktionen der Texte und nach den jeweiligen Zielgruppen.
Fragen
Vor diesem Hintergrund möchten wir uns während der Tagung anhand von empirischen Beiträgen aus verschiedenen Disziplinen den Antworten auf u. a. folgende Fragen annähern:
- Was macht Wörter, Sätze und Texte komplex? Was macht sie einfach?
- Wie lassen sich sprachliche Komplexität und Einfachheit messen?
- Wie lässt sich sprachliche Komplexität abbauen?
- Inwiefern müssen und können sprachliche Vereinfachungen textsortenspezifisch sein?
- Welcher Zusammenhang besteht zwischen sprachlicher Komplexität und Leseverstehen?
- Wie lassen sich Vereinfachungen empirisch erproben?
- Für welche Zielgruppen kommen (welche) Vereinfachungen infrage?
- Wer profitiert von vereinfachten Texten? Wer wird durch sie benachteiligt?
- Wie lässt sich in heterogenen Gruppen Über- und Unterforderung durch sprachliche Komplexität/Einfachheit vermeiden?
- Wie interagieren sprachliche Komplexität/Einfachheit und (Lese-)Kompetenzentwicklung?
- Wie lässt sich die Komplexität/Einfachheit an den jeweiligen Erwerbsstand anpassen?
- Wie kann unter Berücksichtigung der Zone der nächsten Entwicklung eine Progression von einfacher zu komplexer geschriebener Sprache erfolgen?
Eingeladene Vortragende
Einfach Alpha! geringe Literalität beachten - sprachliche Hürden abbauen
Verbundprojekt (BMBF W1486FO, 06/2021-05/2024)
