Laufende Forschungsprojekte Stoffgeschichte und Thematologie: Herzmäre – Le cœur mangé – Il cuore mangiato – The eaten heart
Etwa 800 Jahre lang, vom 12. bis zum Beginn des 20. Jahrhundert, wird in ganz Europa ein Stoff erzählt, der zeitweilig große Popularität erlangte, heute jedoch nahezu vergessen ist: Die Geschichte vom gegessenen Herzen. Sie handelt davon, wie ein Ehemann seiner Frau das Herz ihres Geliebten zum Verzehr vorsetzt. Stoffgeschichte wird in diesem Projekt in einer kultur- und mentalitätshistorischen Perspektive zugleich ‚thematologisch‘ verstanden: Die einzelnen Stoffvarianten aus überaus unterschiedlichen sprachlichen, literatur- und sozialhistorischen Kontexten bearbeiten bei gleichbleibender Grundstruktur ganz unterschiedliche, freilich mit ihr und ihren Motiven verbundene Problemstellungen.
Aus dem Projekt sind bislang eine Habilitationsschrift (Universität des Saarlandes) und weitere Einzelstudien hervorgegangen.
- Dialektik der Affekte. Ludwig Uhlands „Kastellan von Couci“ im kulturgeschichtlichen Kontext der europäischen Herzmaere-Tradition. In: Zeitschrift für Germanistik N.F. 2 (2005), S. 296-310.
- „Lieben und nicht wieder geliebt werden – Ha! Das ist eine Hölle.“ Zur Wandlung von Männlichkeitsbildern im europäischen Herzmäre-Stoff. In: Toni Tholen, Jennifer Clare (Hrsg.): Literarische Männlichkeiten und Emotionen. Heidelberg: Winter 2013, S. 89-108.
- Julia Bohnengel: Das gegessene Herz. Eine europäische Kulturgeschichte vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert: Herzmäre – Le cœur mangé – Il cuore mangiato – The eaten heart. Würzburg: Königshausen & Neumann 2016 (Habilitationsschrift).
- Julia Bohnengel: „Das hohe, das wahre Tragische“: Überlegungen zur Wahl des Eröffnungsstücks von Friedrich Ludwig Schröders erster Hamburger Direktion. In: Bernhard Jahn, Alexander Košenina (Hrsg.): Friedrich Ludwig Schröders Hamburgische Dramaturgie. Publikationen zur Zeitschrift für Germanistik, NF Bd. 31. Bern u.a.: Lang 2017, S. 35-49 [zu Baculard d’Arnauds Herzmäre-Drama Fayel].
- Julia Bohnengel: „E sopr'essa scritti versi“. Zur Funktion der Grabinschrift in Boccaccios Geschichte vom gegessenen Herzen (Decameron IV, 9) und ihrer altokzitanischen Quelle. In: Laura Velte, Ludger Lieb (Hrsg.): Literatur und Epigraphik. Phänomene der Inschriftlichkeit in Mittelalter und Früher Neuzeit. Berlin: Erich Schmidt 2022, S. 171-192,
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