Laufende Forschungsprojekte Fakten und Fiktionen / Schlüsselliteratur
Im Rahmen eines Drittmittel-Projekts – gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung – entstand ein Handbuch zu Erzähltexten des 20. Jahrhunderts, die bestimmt sind durch den Bezug der Fiktion auf außerfiktionale Realität.
Mit dem zweiten Halbband liegt das Werklexikon deutschsprachiger verschlüsselter Literatur des 20. Jahrhunderts abgeschlossen vor. Die 133 ausführlichen Autorenartikel erfassen zum ersten Mal etwa 200 literarische Werke, in denen historische Personen und Begebenheiten durch spezifische Verschlüsselungsverfahren verhüllt und doch zugleich identifizierbar gemacht werden. Indem diese Werke die jeweilige Zeitgeschichte in ihren Erzählkosmos integrieren, werden sie in ihrer Gesamtheit zu einer Bestandsaufnahme der politischen Geschichte und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Die Autorenbeiträge bieten nach einem Inhaltsabriss der besprochenen Titel eine Werkanalyse, die vor allem das Zusammenspiel der tatsächlichen historischen und der fiktionalen Elemente herausstellt. Diese Einzelanalysen brechen die Grenze zwischen Historiographie und schöner Literatur auf und machen sichtbar, wie vielfältig und kontinuierlich Literatur und Geschichte schon immer verbunden waren.
Zwangsläufig verdeckt die Anordnung nach Autornamen in alphabetischer Reihung ein Netz von Inhalten, die dem Benutzer auf dem Weg der Register erschlossen werden (Register der historischen Personen; Sachregister; Werkregister; Ortsregister). Wieder abgedruckt wurde das zudem Register aus Band II von Georg Schneiders 'Die Schlüsselliteratur' (1951-1953); es verlängert die Untersuchungsperspektive des vorliegenden Werklexikons hinein in das 19. /18. und 17. Jahrhundert und ist eine Quelle von unerwarteten Funden, die auf diese Weise wieder dem Interesse des Lesers zugänglich werden.
Weitere einschlägige Publikationen zum Forschungsgebiet Fakten und Fiktionen / Schlüsselliteratur:
- Gertrud Maria Rösch: Clavis Scientiae. Studien zum Verhältnis von Faktizität und Fiktionalität am Fall der Schlüsselliteratur. Tübingen: Niemeyer 2004 (Studien zur deutschen Literatur 170).
- Gertrud Maria Rösch (Hrsg.): Codes, Geheimtext und Verschlüsselung. Geschichte und Gegenwart einer Kulturpraxis. Tübingen: Attempto 2004.
- Gertrud Maria Rösch, Georg Braungart, Friedmann Harzer, Hans Peter Neureuter (Hrsg.): Bespiegelungskunst. Begegnungen auf den Seitenwegen der Literaturgeschichte. Tübingen: Attempto 2004.
- Gertrud Maria Rösch: Wem gehört eine Geschichte? Über die Möglichkeiten und Grenzen der Fiktionalisierung von Realität. In: Claude D. Conter (Hg.): Justitiabilität und Rechtmäßigkeit. Verrechtlichungsprozesse von Literatur und Film in der Moderne. Amsterdam, New York 2010, S. 217-226.
- Gertrud Maria Rösch (Hrsg.): Fakten und Fiktionen. Werklexikon der deutschsprachigen Schlüsselliteratur 1900-2010. Erster Halbband: Andres bis Loest; zweiter Halbband: Mann bis Zwerenz. Stuttgart: Anton Hiersemann 2011, 2013.
- Gertrud Maria Rösch: Schlüsselromane in der Gegenwartsliteratur. Eine Neubewertung am Beispiel von Martin Walser, Michael Kumpfmüller und Per Johansson. In: Silke Pasewalck, Dieter Neidlinger, Terje Loogus (Hrsg.): Interkulturalität und (literarisches) Übersetzen. Tübingen: Stauffenburg 2014, S. 227-236.
- Gertrud Maria Rösch: Das Meer der Realität. Über die Relevanz des ‚Schlüsselromans‘ in der chinesischen und deutschen Literaturwissenschaft. In: Zhu Jianhua; Zhao Jin; Michael Szurawitzki (Hrsg.): Germanistik zwischen Tradition und Innovation. Bd. 11, Bern, Frankfurt u.a.: Peter Lang 2018, 259-263 (Publikationen der Internationalen Vereinigung für Germanistik).
- Gertrud Maria Rösch: Am Hofe von Ragusa (1902). Ein Schlüsselroman über den rumänischen Königshof. In: Maria Elena Muscan / Gertrud Maria Rösch / Sabine Pleșu (Hrsg.): Germanistische Forschung und Lehre im rumänisch-deutschen Austausch. München: Iudicium 2023 (Schriftenreihe des Instituts für Deutsch als Fremdsprachenphilologie 21), S. 52-68.