Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie

Visuelle Kommunikation: Schlüsselromane (WS 2011/12)

Ergebnisse eines Projektseminars:

 
Plakate zum Thema Schlüsselroman – Beispiele aus der chinesischen, griechischen, amerikanischen, irischen, russischen und deutschen Literatur 
WS 2011/2012

Im Profil Interkulturelle Kommunikation in Wirtschaft und Medien nutzen wir die Möglichkeit, in unseren Lehrangeboten Themen aus Forschungsgebieten des Instituts und das Potential der kulturellen Diversität unserer Studierenden miteinander zu verbinden. Neben sprach- und literaturwissenschaftlichen Fragestellungen werden im Bereich der visuellen Kommunikation auch ästhetische Aspekte im internationalen Vergleich untersucht und die gewonnenen Erkenntnisse durch praktische Aufgaben vertieft. 

Im Projektseminar „Praxisversuch zur visuellen Kommunikation“ (WS 2011/2012) ging es um die optische Umsetzung eines Forschungsbereichs der Literaturwissenschaft am IDF: die deutschsprachige Schlüsselliteratur im 20. Jahrhundert. Der erste Halbband mit dem Titel Fakten und Fiktionen: Werklexikon der Deutschen Schlüsselliteratur, ist unter Leitung von Prof. Dr. Gertrud Maria Rösch bereits 2011 erschienen, der zweite ist in Vorbereitung.

18 Teilnehmer aus 9 Ländern widmeten sich einzelnen Schlüsselromanen und entwarfen dazu mit Hilfe einer PC-Software insgesamt rund 20 Plakate. Einige wählten zur Visualisierung deutschsprachige Romane wie Mephisto von Klaus Mann oder Internationale Zone des serbisch-stämmigen österreichischen Schriftstellers Milo Dor, andere bekannte Titel aus ihren jeweiligen Herkunftsländern: von James Joyces Ulysses über Die letzte Versuchung Christi von Nikos Kazantzakis bis hin zu Die wahre Geschichte von AH Q des chinesischen Schriftstellers Lu Xun. 

Eine Seminargruppe gestaltete zwei Themenplakate, die sich mit dem Phänomen des Schlüsselromans als solchem auseinandersetzen. 

An der Schnittstelle zwischen einem literaturwissenschaftlich geprägten Thema und der visuellen Umsetzung entstanden interessante Lösungen: Grundstimmungen eines Romans werden in den Plakatentwürfen etwa über die Farbwahl vermittelt, oder die Komposition des Formats gibt Spannungsmomente des erzählten Sujets wieder. Hinweise auf den „verborgenen Schlüssel“ stecken in der typografischen Gestaltung – durch die Wahl der Schriftschnitte –, in der Verwendung einzelner Begriffe oder dem Einsatz von Worträtseln. Fotofragmente und grafische Formen reflektieren Aspekte von Romanfiguren und Romanhandlung oder verweisen metafiktional auf die Person des Autors selbst. 

Vergleicht man die Plakate untereinander, lässt sich erkennen, dass die unterschiedlichen ästhetischen Muster in vielerlei Hinsicht den persönlichen Stil und die kulturellen Prägungen der jeweiligen Gestalter widerspiegeln. Gemischtkulturelle Gruppen sorgen hier im Austausch miteinander für ungewöhnliche Lösungen. 

Neben dem Vergleich der Schlüsselliteratur verschiedener Kontinente und Länder reizt hier auch der ästhetische Vergleich – und es ergibt sich dabei buchstäblich ein „anderer Blick“ auf die behandelten Literaturbeispiele.

Wer die geschaffenen visuellen Entwürfe mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen von zeichenhaft leuchtenden, geheimnisvoll düsteren bis hin zu harmonisch-exotisch anmutenden Erscheinungen betrachtet, mag sich auch dazu anregen lassen, den einen oder anderen Roman wieder zur Hand zu nehmen oder ihn neu kennen zu lernen.


Susanne Palme-Waldemer 

Lehrbeauftragte




Der französische Begriff roman à clef ist im 17. Jahrhundert entstanden und im deutschsprachigen Raum seit dem 18. Jahrhundert übernommen worden. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff Schlüsselliteratur bzw. Schlüsselroman als literaturwissenschaftlicher Begriff verwendet. 










Lisa-Naomi Herrmann

Helena Kotsis

Mari Lång


Ein literarisches Werk, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fiktion nicht eindeutig zu definieren sind, wird als Schlüsselroman bezeichnet. 

Dieser bezieht sich auf historische Ereignisse und enthält Anspielungen auf reale Personen, die verschleiert dargestellt werden und vom Leser entschlüsselt werden können.









Lisa-Naomi Herrmann

Helena Kotsis

Mari Lång


O'Brien ist ein US-amerikanischer Autor, der über seine eigenen Erlebnisse im Vietnamkrieg reflektiert und den Einfluss, den der Krieg auf die kämpfenden amerikanischen Soldaten hatte, beschreibt.














Damla Özkan


 “This is a work of fiction.”


Die erste Zeile aus dem Epigraph stellt schon die Glaubwürdigkeit des Inhalts des Romans selbst in Frage: O’Brien spielt mit der Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion indem er einzelne Erzählstränge zu einem Ganzen zusammenfasst.

Er beschreibt die Erlebnisse eines amerikanischen Platoons während und nach dem Vietnamkrieg. Der Erzähler, der im Roman auch Tim O’Brien heißt, benutzt viele Geschichten, die eindeutig erfunden sind und dadurch entsteht eine Art „Metafiktion“.







Eric M. Miller


In Triest lernte James Joyce den Schriftsteller Italo Svevo und den Verleger Teodoro Mayer kennen. Beide waren jüdischer Abstammung und beide stecken hinter der Figur Leopold Bloom: ein Jedermann. Wie Svevo isst Bloom gerne Innereien und wie Mayer hat er einen dicken schwarzen Schnurrbart. Einige Ähnlichkeiten zu beiden Figuren entfalten sich im Laufe des Textes. Der Roman verbindet das Judentum und das irische Nationalgefühl in einer Figur, indem der Außenseiter versucht, sich seinen Weg durch Dublin zu bahnen.








Meabh Keane



Nach Leidenserfahrungen in NS-Arbeitslagern und der Vertreibung aus seiner Heimatstadt Czernowitz, lernte Paul Celan, bevor er nach Paris emigrierte, Milo Dor und Reinhard Federmann in Wien (1947)  kennen. Als Petre Margul bekommt er eine kleine Rolle in Internationale Zone

Identitäts- und Heimatverlust sind Themen dieser Kriminalgeschichte sowie die Schilderung vielfach verschlüsselter Figuren aus dem südosteuropäischen Raum.








Aleksandra Prystasz

Jelena Palamarevic

Lisa Mohr



Wien in der Nachkriegszeit: Die Straße sah aus wie ein Patient, der während der Operation gestorben ist und den die Chirurgen mit offenen Wunden liegengelassen haben.

So wie in den Straßen sah es auch in den Seelen der Menschen aus. Das Einzige, was blühte, war der Schwarzmarkt.










Aleksandra Prystasz

Jelena Palamarevic

Lisa Mohr

 „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.“

                                                             (Faust I)


Eine verführerisch schillernde Figur, zwielichtig und dämonisch – mit Hendrik Höfgen gewährt uns Klaus Mann nicht nur Einblick in die Seele der NS-Theatergröße Gustaf Gründgens, sondern womöglich auch in seine eigenen Abgründe.









Angeliki Xetrichi

Daniela Vukic

Sarah Gröhbühl


Der Hauptcharakter des Romans, Hendrik Höfgen, ist ein begnadeter Schauspieler und Günstling des NS-Regimes im Dritten Reich. Von diesem protegiert durchläuft Höfgen eine glanzvolle und aufstrebende Karriere, die ihn schließlich sogar zum Staatsintendanten befördert. Leider bemerkt er, dem die Rolle des Mephisto auf den Leib geschrieben scheint, viel zu spät, dass er einen Pakt mit dem Teufel eingegangen ist.









Angeliki Xetrichi

Daniela Vukić

Sarah Gröhbühl


Das Bild Jesu wird um verschiedene Facetten erweitert. Wird sein „sündiges“ Leben  nur eine Vision sein, damit das Volk ihm weiter folgt, oder wird er diese „Versuchungen“ nicht überstehen? Kazantzakis beschreibt Jesus als Figur politischer Befreiung von Ideologie und Kirchenmacht.











Angeliki Xetrichi

Daniela Vukic

Sarah Gröhbühl


Kazantzakis kritisiert vehement die Rolle der Kirche bzw. ihrer Religionsführer in der Nachkriegszeit. Die Frage ist: Gibt es überhaupt eine Grenze, wenn es um Freiheit und Macht geht? Der Roman zeigt meisterhaft, wie dünn diese Linie sein kann.


   



  






Angeliki Xetrichi

Daniela Vukic

Sarah Gröhbühl

  

Obwohl Dshamilja ein verbotener Name für uns war, war ich froh zu wissen, dass sie glücklich ist. Trotz der Starrheit traditioneller Gesetze und Vorschriften, ist sie ihren eigenen Weg gegangen und hat sich für ein neues Leben entschieden”.


So beschreibt Aitmatow die junge Frau, die ihre Authentizität in einer Gesellschaft bewahrt hat, die von einem Kampf zwischen Identität und Ideologie sowie von Vorstellungen der Liebe überholter Traditionen geprägt ist.









Zarina Soltobaeva


Der Zopf im Plakat verkörpert die feudalistische Tradition und steht für die starke Unterdrückung durch die Regierung und die kolonialen Mächte. 

Mit diesem Roman möchte der Autor an das damalige chinesische Volk appellieren, die Herrschaft, die Unterdrückung und diese nationale Krankheit abzuschütteln und um sein Recht und seine Freiheit zu kämpfen.









Lei Huang

You Li

Hui Wang


Die wahre Geschichte von Ah Q ist eine Anspielung auf die chinesische Gesellschaft in den 20er Jahren (vor der Gründung der VR China), als das Volk unter demütigenden Umständen abgestumpft leben musste.

Die Botschaft dieses Plakates sollte sein: Gegen Unterdrückung muss man aufstehen. Die Freiheit ist alles, wofür es sich zu kämpfen lohnt.









Lei Huang

You Li

Hui Wang


Nach dem Opiumkrieg und dem Angriff der westlichen Alliierten stand China unter dem Zwang der politischen Erneuerung und der Aufhebung der feudalen Tradition. Blumen im Meer der Sünde handelt von der Ehe einer Kurtisane mit einem Diplomaten gegen Ende der Qing-Dynastie und stellt die turbulente Entwicklung der chinesischen Gesellschaft während der letzten Jahre des Kaiserreichs dar.











Meng Shu

Yajun Zhuang