Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie

Sprecher: Rosemarie Tracy


Titel: Vom Eigenleben der Sprache(n) im Kopf: Formen und Funktionen des Codeswitching


Abstract:

Weinreich, einer der wichtigsten frühen Sprachkontaktforscher, schrieb im Jahre 1953: „The ideal bilingual switches from one language to the other according to appropriate changes in the speech situation (interlocutor, topics, etc.), but not in an unchanged speech situation, and certainly not within a single sentence.Die Forschung der folgenden Jahrzehnte hat uns gelehrt, dass bilinguale Menschen – und zwar gerade auch diejenigen, die ihre Sprachen sehr gut beherrschen – sehr intensives Codeswitching innerhalb von Satzgrenzen betreiben können  und dass es verfehlt wäre, von dieser Art des Sprachkontakts auf mangelnde sprachliche Kompetenzen zu schließen. Was aber wissen wir über Formen der Sprachmischung, welche  Diskursfunktionen und welcher sozio-symbolische „Mehrwert“ lässt sich damit in Verbindung bringen? Welche Rolle spielt dabei die Ähnlichkeit der beteiligten Sprachen?

Diesen Fragen gehe ich anhand eines umfangreichen Korpus komversationeller und schriftlicher Daten von deutschen EmigrantInnen in den USA nach, die im Rahmen eines DFG-Projekts mehrere Jahre lang unter variierenden Bedingungen erhoben wurden. Es wird gezeigt, dass beide Sprachen dieser SprecherInnen in hohem Maße koaktiviert sind und dass es zu mannigfachen Interaktionen kommt, die sowohl Folge von Konkurrenz als auch von Arbeitsteiligkeit sind. Diskutiert werden gängige Hypothesen über strukturelle Beschränkungen des Codeswitching, funktionale Prinzipien der Diskursstrukturierung und Evidenz für Konvergenzen und individuellen Sprachwandel. Besondere Relevanz gewinnt die Frage, ob sich individuelle Mischprofile feststellen lassen, die Hinweise darauf liefern, wie individuelle SprecherInnen den prinzipiell vorhandenen Spielraum ausschöpfen.